Nikolaus Cusanus
Nikolaus Chriffs ("Krebs") Cusanus - diesen Namen gab
er sich aufgrund seiner humanistischen Bildung - wurde im Jahr 1401
als Sohn eines Weinbauers und Moselschiffers in Kues an der Mosel
geboren. Er widmete sich schon früh dem schulischen Leben und
studierte bei den "Brüdern vom gemeinsamen Leben". Später war
er Student in Heidelberg und Padua, wo seine Lehrer u. a. der
bedeutende Physiker Toscanelli und der spätere Kardinal Cesarin,
einer seiner großen Gönner, waren. Sein Studium erstreckte sich im
Gebiet der Jurisprudenz, Cusanus zeigte aber auch großes Interesse
an Medizin, Physik, Mathematik, Astronomie und Literatur. 1423
erwarb er den Titel "doctor decretarum" in Padua, später dann den
"doctor in jure canonico" in Köln. Im Alter von 31 Jahren wirkte er
als Advokat des Erzbischofs von Trier. Nikolaus Cusanus war ein
fanatischer Verfechter der konziliaren Idee. Im Laufe seines Lebens
verfaßte er die Schrift "de concordantia catholica", und er
fungierte als geistiges Haupt dieser Versammlung. Cusanus war in
deiser Zeit Mitglied der päpstlichen Partei. 1448 wurde er zum
Kardinal zu S. Pietro in Vincoli in Rom ernannt, 1450 dann auch zum
Bischof von Brixen, trotz heftigen Widerstands des Domkapitels.
Nach anfänglichen Reformversuchen, die häufigst am Widerstand
mancher Klöster scheiterten, geriet Cusanus in Auseinandersetzungen
mit dem Tiroler Landesfürsten, in die auch Kaiser Friedrich III.
und Papst Pius II., ein Freund des Cusanus, hineingezogen
wurden.
Sein großes Streben nach Wissen und Erkenntnis zeichneten Nikolaus Cusanus aus und machten ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Letztendlich gelang ihm als Erster der Durchbruch der endlichen Welt mit seinen Grundfragen in dieser Zeit der Unruhen, der Veränderungen - das Mittelalter zählte bereits seine Tage und die Neuzeit pochte an die Tür. Sein Weltbild wurde später von der empirischen Forschung bestätigt. Seine wirkliche Größe und Berühmtheit erreichte Cusanus aber in seinem ausgefeilten, dataillierten philosophischen Denken. Der ursprüngliche Metaphysiker, der sein eigenes Seinsbild entworfen hat, gilt in der heutigen Philosophie als unersetzliches Glied in der Kette der großen Metaphysiker.
